Requiem der Zuversicht
Ein modernes, "tröstliches" Requiem getextet von Veronika Reiner,
komponiert von Stephan Kerschbaum für Chor und Orchester
bzw. Band
Die Gattung Requiem scheint mir die geeignetste Form, diesem Anliegen entsprechenden Ausdruck zu verleihen." (Stephan Kerschbaum)
Inhalt
Das Requiem beginnt sonderbar ruhig, ohne große Emotion, als könnten
wir uns relativ unbeteiligt am Tod vorbeischummeln, ohne begreifen
zu müssen, was eigentlich geschehen ist. "Oh Tod, wie grausam
bist du". Dieser Text überrollt uns in gewaltigem unaufhaltsamen
Rhythmus, der langsam, aber todsicher "hinwegrafft, was uns so teuer,
so lieb". Gefühle wie Wut, Ohnmacht, Verzweiflung, Verlassenheit
brechen ungeordnet über uns herein und wir merken letztlich, dass
wir unendlich traurig sind, und dass der Quell dieser Trauer in
uns selbst, in unserem Innersten liegt. Wir weinen unsere eigenen
Tränen. Anlässlich des Todes eines Mitmenschen beweinen wir unser
eigenes Leben.
Noch immer sind unsere Gefühle unordentlich, außerordentlich und
wer es zulassen kann, verliert die Fassung und lässt sich überrollen.
Die Klarinette, die den Tod verklanglicht, hat die Oboe, die uns
gerade noch Traurigkeit ins Ohr getropft hat, und den Hoffnungsschimmer
der Flöte wieder abgelöst.
Unwirklich und zunächst völlig außerweltlich klingt der Choral.
"Herr, Du hast Jesus zu uns gesandt". Aufgestülpte
Offenbarung macht uns ergriffen, wir sind Hörer und nicht Handelnde.
Das, was uns ergreift, haben wir noch nicht begriffen. Der Choral
ist längst instrumental jeweils am Ende der ersten beiden Teile
angeklungen - vielleicht unbemerkt. Die Gefühle schwappen über in
unerhörte Erleichterung, Überschwang. Noch nicht ganz glaubhaft,
aber wohltuend "Du bist nicht der Gott der Toten, sondern
der Lebenden". Ein Gott, einerseits für die noch Lebenden,
und andererseits für die, die wieder oder jetzt erst recht leben.
Dass Gott unabhängig davon, ob wir den Tod noch vor uns oder bereits.
hinter uns haben, persönliches Interesse an jedem einzelnen von
uns hat, führt uns zum Nachdenken über unser eigenes Leben. Wer
das Leben als Geschenk betrachten kann, sieht auch den Tod als Aufgabe
an. Tod macht nicht in erster Linie das Dagewesene zunichte, sondern
vollendet das Begonnene. Tod macht endgültig. Mit anderen Worten
und als Frage formuliert: Was gilt am Ende ? Wer so fragt, hat
begriffen. Die Antwort bleibt offen, was auch in der Musik deutlich
zum Ausdruck kommt "Ich beginne Dich zu begreifen"
ist Höhepunkt und spannender Ausgangspunkt zugleich. Es gibt keine
billige Antwort, und keine Katechismuslösung nimmt uns diese Lebensentscheidung
ab. Im Aushalten der Spannung zwischen Leben und Tod, Hoffnung und
Leid besteht unsere Aufgabe. So ist es kein Zufall, dass an dieser
Stelle erstmals Oboe, Flöte und Klarinette gleichzeitig Kontrast
und Harmonie der entsprechenden Erfahrung hörbar machen. Wenn es
gelingt, diese Spannung in sein Leben zu integrieren, so können
wir dem Tod das gleiche Prädikat "wunderbar" zuerkennen,
wie es bislang für Gott vorbehalten war. Das Bekennen der Größe
Gottes in der abschließenden Halleluja-Fuge ist folgerichtig der
Gipfelpunkt aller Todesgedanken. Wer glauben kann, dass Gott unser
Leben geschenkt hat und bewahrt, kann die Geborgenheit trotz des
bestehenden Leides und Unvollkommenheit über den Tod hinaus denken
und hoffen: "Gott, Du bist so wunderbar". (Bernhard Listabarth)
Tracks
| Meine Gedanken kreisen um ihn | Gott, Du bist so wunderbar |
| Oh Tod, wie grausam bist du | Das Leben ist ein Geschenk |
| Tränen laufen über meine Wangen | Oh Tod, wie wunderbar bist du |
| Oh Tod, wie grausam bist du | Ich will Dir danken |
| Herr, Du hast Jesus zu uns gesandt |